Forschung

Tätigkeitsschwerpunkt: Kaufbeuren (Allgäu), Uni Ulm. Offen für Kooperationen

Publikationen

Arbeitspapiere & Berichte

Schuldabwehr verstehen: Neutralisierungstechniken und Entlastungsstrategien im forensischen Therapieprozess. Arbeitsbericht: Theorie, empirische Befunde und Systematik (Version 1.1)

Abstract

Neutralisierungstechniken und Entlastungsstrategien bezeichnen wiederkehrende kognitive und kommunikative Muster, mit denen Täter Normverletzungen gegenüber sich selbst und anderen plausibilisieren, Verantwortlichkeit abwehren und die moralische Bewertung der Tat verschieben. Für die deliktorientierte Arbeit in der Forensik sind diese Muster klinisch bedeutsam, da sie die Anerkennung von Schädlichkeit, die Perspektivübernahme und die Entwicklung realistischer Rückfallprophylaxepläne beeinträchtigen können; zugleich weist die Forschung auf Zusammenhänge mit Delinquenzverläufen und Wiederauffälligkeit hin. Das vorliegende Arbeitspapier bietet eine systematische Aufbereitung solcher Techniken und Strategien, wie sie im forensischen Therapieprozess – insbesondere in der deliktbezogenen Bearbeitung und der Rückfallprävention – typischerweise auftreten. Beschrieben werden charakteristische sprachliche und interaktionelle Formen (z. B. Minimierung, Externalisierung, Opferbeschuldigung bzw. Opfer-Täter-Umkehr, Berufung auf übergeordnete Normen), die Verantwortungsübernahme und Änderungsbereitschaft erschweren können. Auf Grundlage klinischer Erfahrung sowie praxisorientierter und empirisch anschlussfähiger Literatur werden ein integrativer Kategoriensatz, prototypische Formulierungen und Beobachtungshinweise für Exploration und Fallkonzeptualisierung dargestellt; ergänzend werden therapeutische Ansatzpunkte skizziert, die auf Verantwortungsübernahme, metakognitive Klärung und mentalisierende Deliktbearbeitung zielen. Ziel ist es, die Identifikation entlastender Denkmuster im Gespräch zu strukturieren und dadurch eine präzisere, responsivitätsorientierte Intervention zu ermöglichen. Der Bericht versteht sich als Arbeitsfassung ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ist für fortlaufende Ergänzungen und Präzisierungen vorgesehen.

Keywords

Neutralisierungstechniken; Entlastungsstrategien; Externalisierung; Bagatellisierung; kognitive Verzerrungen; Delinquenz; Straftäterbehandlung; forensische Psychotherapie; Rückfallprävention

DOI: https://doi.org/10.5281/zenodo.18163545
Repositorium: https://zenodo.org/records/18163545

Empfohlene Zitierung (APA 7)

Montiel, F. (2026). Schuldabwehr verstehen: Neutralisierungstechniken und Entlastungsstrategien im forensischen Therapieprozess. Arbeitsbericht: Theorie, empirische Befunde und Systematik (Version 1.1) [Arbeitsbericht]. Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren, Bezirkskliniken Schwaben. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18163545

Changelog

  • Version 1.1 – Erstveröffentlichung.
Peer-Review-Status: Nicht peer-reviewt (Arbeitsfassung). Inhalte können sich in späteren Versionen ändern.

Therapeutische Beziehungsgestaltung in somatischen Analogien. Ein konzeptuelles Working Paper zur Prozesslogik, Dosierung und Funktion psychotherapeutischer Beziehung (Version 1.0)

Abstract

Die therapeutische Beziehung gilt als einer der zentralen Wirkfaktoren psychotherapeutischer Behandlung. Zugleich bleibt in der klinischen Weiterbildung häufig unklar, wie Beziehungsgestaltung prozessual gedacht, dosiert und in unterschiedlichen Behandlungsphasen funktional eingeordnet werden kann. Das vorliegende konzeptuelle Working Paper entwickelt hierfür eine heuristische Modellierung anhand somatischer Analogien. Ziel ist nicht die Formulierung einer eigenständigen Psychotherapietheorie, sondern die Bereitstellung eines klinisch anschlussfähigen Ordnungsrahmens, der komplexe Prozesse der Beziehungsgestaltung anschaulich strukturiert. Ausgehend von der Metapher der operativen Medizin werden sieben aufeinander bezogene Analogien entfaltet: Vorbereitung des Operationssaals, Erstgespräch als erste Beziehungsmedizin, OP-Vorbesprechung und Prämedikation, Anästhesie und therapeutische Breite, minimalinvasiver Eingriff, Transplantation sowie Dialyse statt Heilung. Auf dieser Grundlage wird die therapeutische Beziehung einerseits als Ermöglichungsbedingung weiterer Interventionen, andererseits in bestimmten Konstellationen als eigenständiger Wirkfaktor beschrieben. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Frage nach der angemessenen Dosis von Beziehung, den Risiken einer zu frühen oder zu starken Beziehungsgestaltung sowie den Grenzen psychotherapeutischer Veränderung bei strukturell schwer beeinträchtigten Patienten. Das Paper versteht sich als klinisch-theoretischer Beitrag für Weiterbildung, Supervision und fallbezogene Reflexion.

Keywords

therapeutische Beziehung; Psychotherapie; Beziehungsgestaltung; somatische Analogien; klinische Heuristik; Working Paper

DOI: https://doi.org/10.5281/zenodo.19405341
Repositorium: https://zenodo.org/records/19405341

Empfohlene Zitierung (APA 7)

Montiel, F. (2026). Therapeutische Beziehungsgestaltung in somatischen Analogien: Ein konzeptuelles Working Paper zur Prozesslogik, Dosierung und Funktion psychotherapeutischer Beziehung (Version 1.0) [Working Paper]. Bezirkskliniken Schwaben, Augsburg. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.19405341

Changelog

  • Version 1.0 – Erstveröffentlichung.
Peer-Review-Status: Nicht peer-reviewt (Working Paper). Inhalte können sich in späteren Versionen ändern.

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